Was Sie sähen, wenn Sie zu einer Taufe kämen
Eine Taufe findet in unserer Gemeinde meist an einem Samstag statt, bei halb leerer Kirche und schräg einfallendem Nachmittagslicht. Etwa in der Mitte des Kirchenraums steht ein großes Becken mit warmem Wasser. Auf einem kleinen Tisch liegen Öl, eine Schere, ein weißes Gewand und ein Kreuz an einer Schnur. Der Priester trägt Weiß. Handelt es sich um einen Säugling, steht eine Tante mit einem Handtuch bereit, und die ganze Familie sorgt sich still um die Wassertemperatur.
Der Gottesdienst zerfällt in zwei Hälften. In der ersten wird über den Täufling gebetet, er wird angehaucht und aufgefordert, dem Teufel abzusagen; dann werden Wasser und Öl gesegnet und der Täufling gesalbt. In der zweiten Hälfte folgt das Untertauchen selbst, dreimal, im Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes. Unmittelbar danach wird der Neugetaufte mit dem heiligen Myron gesalbt, in Weiß gekleidet, mit einem Kreuz beschenkt, und einige Haare werden als Zeichen der Darbringung abgeschnitten. In der nächsten Liturgie, oft am selben Wochenende, empfängt er die Kommunion.
Mit ihm begraben durch die Taufe
Der heilige Paulus beschreibt die Taufe nicht als Abzeichen. An die Römer schreibt er: „Wisst ihr nicht, dass wir alle, die wir auf Christus Jesus getauft wurden, auf seinen Tod getauft worden sind? Wir wurden also mit ihm begraben durch die Taufe auf den Tod, damit auch wir, so wie Christus durch die Herrlichkeit des Vaters von den Toten auferweckt wurde, in einem neuen Leben wandeln“ (Röm 6,3–4). Die Grammatik ist die einer Bestattung und dann einer Auferstehung.
Die orthodoxe Praxis nimmt diese Sprache beim Wort. Das Taufbecken ist tief genug, um unterzugehen. Drei Untertauchungen entsprechen den drei Tagen im Grab, und die alten Kanones behandeln die Zahl als ernste Sache: Der 50. Apostolische Kanon verfügt, dass ein Bischof oder Presbyter, der nicht dreimal untertaucht, abzusetzen sei. Die Worte über jedem Untertauchen sind die Worte des Auftrags Christi selbst in Mt 28,19, die den Vater, den Sohn und den Heiligen Geist nennen.
Behauptet wird hier nicht, dass der Täufling etwas bewiesen hat, sondern dass Gott etwas getan hat. Das Glaubensbekenntnis von Nizäa, das in jeder orthodoxen Kirche an jedem Sonntag gesprochen wird, enthält die Zeile: Ich bekenne eine Taufe zur Vergebung der Sünden. Nicht gedenke. Bekenne. Die Kirche hat nie gelehrt, das Wasser zeige lediglich ein zuvor im Verborgenen vollendetes Werk an; sie lehrt, dass ein Mensch im Wasser dem Tod und der Auferstehung Christi verbunden wird und daraus emporsteigt als einer, der ihm gehört.
Nach Westen blicken, dann sich nach Osten wenden
Bevor irgendjemand dem Wasser nahekommt, steht eine Konfrontation. Der Täufling, oder der Pate, der das Kind hält, wird nach Westen gewandt, zur Rückseite der Kirche und zur Dunkelheit hin, und dreimal gefragt, ob er dem Satan absage, und allen seinen Werken, und allen seinen Engeln, und allem seinem Dienst, und allem seinem Hochmut. Dreimal lautet die Antwort: Ich sage ihm ab. Dann wird der Täufling geheißen, ihn anzuhauchen und auszuspeien, was Besucher stets überrascht — und überraschen soll.
Erst danach wendet der Priester den Täufling nach Osten, wo die Fragen andere werden: Vereinigst du dich mit Christus? Ich vereinige mich mit Christus. Gefragt, ob er sich vereinigt habe, antwortet der Täufling, er habe es getan und bete ihn an als König und Gott, und spricht dann laut das Glaubensbekenntnis. Der Osten ist mit Bedacht gewählt. Das Paradies wurde im Osten gepflanzt (Gen 2,8), und die Wiederkunft des Herrn wird mit dem Blitz verglichen, der vom Osten kommt (Mt 24,27). Orthodoxe Kirchen sind in diese Richtung gebaut, sodass die ganze Gemeinde in die Richtung betet, in die der neue Christ sich eben gewandt hat.
Das Argument fürs Warten, angemessen dargestellt
Sehr viele Christen, darunter Menschen, die wir in Singapur kennen und schätzen, taufen nur, wer alt genug ist, darum zu bitten. Ihre Überzeugung verdient es, in voller Stärke ausgesprochen und nicht beiläufig übergangen zu werden. Der Glaube, sagen sie, ist persönlich und nicht ausleihbar; niemand ist Christ auf Rechnung seiner Eltern. Das Muster in der Apostelgeschichte lautet: Das Wort wird gepredigt, Menschen kommen zum Glauben, und dann werden sie getauft (Apg 2,41; Apg 8,12). Ein Versprechen, das ein Erwachsener über einem schlafenden Säugling ablegt, ist nicht das Versprechen dieses Säuglings, und der Tag mag kommen, an dem er selbst nie eines ablegt.
Dahinter steht eine Befürchtung, für die es reale Belege gibt: ganze Länder voller Menschen, die als Säuglinge getauft, nie unterwiesen wurden, nie wiederkamen und sich heute Christen nennen, wie man einen Geburtsort nennt. Die Gläubigentaufe ist eine hohe Sicht der Taufe, keine niedrige. Sie hat Menschen ihre Familien gekostet. Ein orthodoxer Autor, der sie als Nachlässigkeit abtut, hat nicht zugehört, und Vater Seraphim Rose, dessen eigene Mutter Protestantin war, sagte unverblümt, wo ein Teil der Schuld an solchen Missverständnissen liegt.
vielleicht ist es unsere Schuld, dass wir den orthodoxen Glauben nicht so leben und lehren, dass sie ihn verstehen können
Vater Seraphim Rose, Brief vom 27. November 1980, zitiert in: Hieromonach Damascene, Father Seraphim Rose: His Life and Works (dt. etwa „Vater Seraphim Rose: Sein Leben und sein Werk“), Kap. 84 (St. Herman Press, 2003)
Warum die Orthodoxe Kirche dennoch Säuglinge tauft
Die orthodoxe Antwort beginnt nicht beim Argument. Ein Kind gehört zur Kirche, bevor es darüber streiten kann, so wie es zu seiner Familie, seiner Sprache und dem Tisch seiner Mutter gehört, bevor es irgendetwas davon verteidigen kann. Niemand wartet darauf, dass ein Zweijähriger dem Gefüttertwerden zustimmt. Die Kirche hat nie gemeint, der Glaube sei das eine Gut, das einem Kind vorenthalten werden müsse, bis es sich in einer Debatte darüber behaupten kann.
Die Schrift wird dann in diesem Licht gelesen. Petrus sagt der Menge an Pfingsten, die Verheißung gelte euch und euren Kindern (Apg 2,39). Lukas berichtet, dass ganze Häuser auf einmal getauft wurden, das der Lydia und das des Kerkermeisters von Philippi, und Paulus erinnert sich, das Haus des Stephanas getauft zu haben (Apg 16,15; Apg 16,33; 1 Kor 1,16). Kol 2,11–12 stellt die Taufe neben die Beschneidung, die am achten Tag an Säuglingen vollzogen wurde, die weder zustimmen noch verstehen konnten. Und da ist der schlichte Satz des Herrn: „Lasst die Kinder zu mir kommen; hindert sie nicht daran“ (Mk 10,14).
Die frühen Zeugnisse weisen in dieselbe Richtung, auch wenn ihr Gewicht redlich umstritten ist. Der heilige Irenäus von Lyon schreibt um 180 von Christus, der alle rettet, die durch ihn zu Gott wiedergeboren werden, „Säuglinge und Kinder und Knaben und Jünglinge und Greise“ (Gegen die Häresien II,22,4); über die Beweiskraft dieses Satzes gehen die Meinungen auseinander. Fester ist der 64. Brief des heiligen Cyprian, der von einem afrikanischen Konzil um das Jahr 253 berichtet, das entschied, die Taufe solle nicht bis zum achten Tag nach der Geburt aufgeschoben werden. Damals lautete die Frage nicht mehr, ob Säuglinge getauft würden, sondern wie bald.
Nichts davon macht die Taufe zum Ersatz für den Glauben, und die Orthodoxie behauptet es auch nicht. Ein getauftes Kind, dem nichts beigebracht wird, hat einen Anfang bekommen und ist dann darin allein gelassen worden. Was die Kirche stattdessen anbietet, ist eine lange Lehrzeit: Kommunion von Kindesbeinen an, Beichte etwa ab dem siebten Lebensjahr, das auswendig gelernte Glaubensbekenntnis und schließlich der Tag, an dem der junge Christ mit eigener Stimme sagt, was seine Paten einst für ihn gesagt haben. Die Gnade geht dem Verstehen voraus, wie überall sonst im menschlichen Leben auch.
Was die Paten tatsächlich übernehmen
Bei einer Kindertaufe ist der Pate keine Dekoration. Er ist es, der sich nach Westen wendet und dem Teufel für das Kind absagt, der sich nach Osten kehrt und an der Stelle des Kindes laut das Glaubensbekenntnis spricht. Das ist zunächst ein öffentliches Bekenntnis des eigenen Glaubens des Paten und die Zusage, dem Kind den eben bekannten Glauben beizubringen. Die Kirche verlangt deshalb, dass wenigstens ein Pate ein praktizierender orthodoxer Christ ist, der zur Beichte und zur Kommunion geht.
In der Praxis läuft die Zusage auf eine kurze, unglamouröse Liste hinaus, um deren Lektüre wir Paten bitten, bevor sie zustimmen. Nichts daran ist heldenhaft. Alles daran geschieht nur, weil ein Erwachsener sich Jahre zuvor dafür entschieden hat und sich dann an gewöhnlichen Samstagen immer wieder neu dafür entscheidet, wenn es Leichteres zu tun gäbe.
- Beten Sie täglich für Ihr Patenkind, mit Namen, solange Sie beide leben.
- Bringen Sie das Kind zur Kommunion, besonders wenn die Eltern es nicht können.
- Bringen Sie ihm das Vaterunser und das Glaubensbekenntnis bei und sorgen Sie dafür, dass es die Geschichte seines Namenspatrons kennt.
- Schenken Sie die erste Ikone und das erste Gebetbuch — und schenken Sie weiter Bücher, während das Kind heranwächst.
- Seien Sie ein zweiter Erwachsener, mit dem das Kind reden kann, gerade in den Jahren, in denen mit den Eltern schwer zu reden ist.
- Stehen Sie der Familie in Schwierigkeiten bei — der Teil, den am Taufbecken niemand erwähnt.
Wenn Sie anderswo schon getauft wurden
Konvertiten werden auf eine von drei Weisen aufgenommen: durch die Taufe, durch die Myronsalbung nach einem Bekenntnis des orthodoxen Glaubens oder, seltener, allein durch ein Glaubensbekenntnis. Die Wahl trifft nicht der Konvertit und im Grunde auch nicht der Gemeindepriester. Sie steht dem Bischof zu, der abwägt, was ursprünglich vollzogen wurde, mit welchen Worten, in welcher Absicht, und woher der Mensch kommt.
In der russisch-orthodoxen Praxis, auch in der unseres Exarchats, wird ein Mensch, der mit Wasser im Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes getauft wurde, nicht noch einmal getauft. Ein solcher Konvertit wird als Katechumene vorbereitet, legt eine Beichte ab, wird in der Myronsalbung mit dem heiligen Myron gesalbt und tritt an den Kelch. War die ursprüngliche Taufe nicht mit Wasser oder nicht auf den Namen der Dreifaltigkeit vollzogen oder lässt sie sich überhaupt nicht feststellen, so wird der Mensch getauft.
Hier zählt Ehrlichkeit mehr als Ordentlichkeit. Die Praxis ist von einer orthodoxen Ortskirche zur anderen verschieden und mitunter auch von Bischof zu Bischof innerhalb einer Kirche. Manche Gemeinden und Klostergemeinschaften taufen jeden Konvertiten grundsätzlich und berufen sich auf den strengen Maßstab der Kanones. Andere nehmen durch die Myronsalbung auf und berufen sich auf die lange Freiheit der Kirche, gegenüber denen, die zu ihr kommen, nach der Ökonomie zu handeln.
So kann ein Konvertit, der in einer Stadt durch Myronsalbung aufgenommen wurde, eines Tages orthodoxen Christen begegnen, die es anders gemacht hätten. Dieser Unterschied ist wirklich, er ist alt, und er wird unter Orthodoxen selbst ausgetragen und nicht von einer Gemeindewebsite entschieden. Er ist kein Urteil über die Vergangenheit oder die Aufrichtigkeit irgendeines Menschen. Der praktische Rat ist schlicht: Sprechen Sie die Frage mit dem Priester am Anfang an und nicht am Ende, und überlassen Sie die Entscheidung dem Bischof.
Welche Form die Aufnahme auch annimmt — es geht dabei nicht um Papiere und nicht um den Wechsel einer Vereinsmitgliedschaft. Vater Seraphim Rose schrieb im Mai 1979 an einen Katechumenen, der sich auf die Taufe vorbereitete, und der Satz, den er in die Mitte jenes Briefes stellte, lohnt sich von der ersten Anfrage bis zu dem Tag, an dem das Myron abgewaschen wird.
Sie kommen zur Orthodoxie, um Christus zu empfangen, und das sollten Sie niemals vergessen.
Vater Seraphim Rose, Brief vom 3. Mai 1979, zitiert in: Hieromonach Damascene, Father Seraphim Rose: His Life and Works, Kap. 84 (St. Herman Press, 2003)
Eine offen gelassene Tür
Nichts in diesem Artikel verlangt von jemandem, das Wasser zu verachten, das ihm als Kind über den Kopf gegossen wurde, oder schlecht von den Eltern zu denken, die es veranlasst haben, oder vom Pastor, der gebetet hat. Die Orthodoxie hat ihre eigene Auffassung davon, was die Taufe ist und tut, und sie hält sie seit sehr langer Zeit unverändert; das offen zu sagen ist keine Anklage gegen irgendjemanden. Vater Seraphim Rose, der unter Protestanten aufwuchs und nach seinem Eintritt ins Mönchtum mit seiner Familie im Guten blieb, hat die Haltung, die er sich von orthodoxen Christen wünschte, in einem Satz ausgedrückt.
Wenn Sie davon etwas anspricht, ist der einfachste nächste Schritt kein Buch. Kommen Sie zu einer Liturgie nach Kovan, stehen Sie hinten, solange Sie mögen, bleiben Sie danach zum Tee und stellen Sie die Fragen, die Sie wirklich haben, statt derer, von denen Sie meinen, Sie müssten sie haben. Niemand hier wird Sie zum Taufbecken drängen, und niemand wird schlechter von Ihnen denken, wenn Sie sich damit Jahre lassen.
Wir sollten die Nichtorthodoxen als Menschen ansehen, denen die Orthodoxie noch nicht offenbart worden ist, als Menschen, die potenziell orthodox sind
Vater Seraphim Rose, Brief vom 27. November 1980, zitiert in: Hieromonach Damascene, Father Seraphim Rose: His Life and Works, Kap. 84 (St. Herman Press, 2003)